Francis Dhomont, der 2006 80 geworden ist, gehört mit den ein Jahr jüngeren Pierre Henry und Bernard Parmegiani, die wie er in Paris geboren sind, zu den unverwüstlichen Repräsentanten der guten alten Musique concrète, Acousmatic oder Electroacoustic Music, wie immer man es nennen mag. Für mich sind die 7 auf … et autres utopies (IMED 0682) versammelten Paradebeispiele für Sonic Fiction nomadische Streifzüge durch phantastische Klangwelten, die auf keiner Land- oder Sternenkarte verzeichnet sind. Imaginary Landscapes, die sich hinter eyes wide shut auftun, ein ganzer Ocean of Sound, den man als Walfisch oder Manta Ray durchtaucht. Speziell ‚Je te salue, vieil océan!‘ (1998, 2000-04) lässt einen in den schwarzen Abgrund eines von Lautréamont besungenen Maldoror-Meeres versinken. Zuvor hatte Dhomont, der sich in Avignon niedergelassen hat, nachdem er von 1978-2005 zwischen Frankreich und Québec gependelt war, mit ‚Here and There‘ (2003), einer präzisen, aber unprätentiösen Studie, den dreidimensionalen Hörraum ausgemessen. Zentral sind dann die halbstündigen ‚Chroniques de la lumière‘ (1989, 2005), die in den Teilen ‚Miroitements‘, ‚Artifices‘ und ‚Météores‘ Aspekte des Lichts in klanglichen Äquivalenten reflektieren. Zuerst das Dämmern und Schimmern des Tageslichtes, dann künstliche Lichtquellen und schließlich Lichtphänomene am Himmel, Kometen, Sternschnuppen, Meteoritenschauer. Für das dem Kollegen Robert Normandeau gewidmete ‚Voyagemiroir‘ (2004) kehrte Dhomont sein eigenes ‚… mourir un peu‘ (1984-87) um und griff dabei erneut die Motive Abschied, Flucht & Exil auf, mit dem Strudeln von Ebbe und Flut als Sinnbild der Wechselfälle des Lebens. ‚Corps et âme‘ (2001- 02) schließlich kreist um die Dualität von Körper und Seele, die letztlich eine Einheit sind, aber auch um die Intensität, mit der man ‚mit Leib & Seele‘ sich einer Sache oder Person hingibt. Die Stärke dieser Klangwelt ist die Plastizität in der Abstraktion, eine ausgreifende, suggestive Topographie, die in sich morpht und die gleichzeitig ständig überschüttet und durchzuckt wird mit granularen, polymorphen Klangmolekülen.