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electrocd

Billet

Éclats dans Bad Alchemy

«Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 108, 1 décembre 2020
vendredi 19 mars 2021 Presse

Éclats (IMED 20170) bringt Klangsplitter des 1983 in Québec geborenen, aber in Montréal ausgebildeten PIERRE-LUC LECOURS, der nur als bebrillter Kahlkopf Ambrose Seddon verblüffend ähnelt, nicht im Temperament. Weder beim 4-teiligen Farbenspiel ‘Éclats’ (2014-20), noch bei ‘Impacts discrets’ (2014) als surrealem Mikrokosmos, durchsetzt von dröhnenden Kurven und pulsenden Wellen, von rauschigen Schüttungen, abrupten Ver- werfungen, leise dongenen Lauten, rhythmischem oder rabiat dreinschlagendem Aggro. Das synästhetische Quadrupel in ‘Rouge’, ‘Noir’, ‘Blanc’ und ‘Violet’ ist im ersten, dem roten Werkstück ein Action Painting, angeregt durch automatistische Malerei. Also jenem surrealistischen Bestreben bei etwa Hans Arp und André Masson, auch noch die Fesseln der eigenen geistigen Selbstkontrolle abzuschütteln, das mit Paul-Emile Borduas und Les Automatistes ja eine besondere frankokanadische Spielart ausformte — Stichwort: ‘Refus global’, 1948 ein Zeckenbiss gegen die grande noirceur, die große repressive Dunkelheit. Als Klangquelle nimmt Lecours dafür Sounds aus dem Innenklavier, perkussive Einschlä- ge, ruppig geharfte Gesten, aufquellende Dröhnblasen, dissonantes Schleifen, ausge- spannt zwischen verhalten und eruptiv. Im zweiten Splitter formt er aus dröhnendem, haarfeinem, drahtig perkussivem und glissandierendem Celloklang, modularer Granula- tion, Vogelgezwitscher, Wind und surrenden Fliegen ein bedrohlich verdunkeltes und abendlich verdämmerndes Ambiente. Das Weiß dekonstruierte er aus verhuschten Flöten- kürzeln, gedämpft perkussiven, kaum als paukig erkennbaren Akzenten und posaunig brummenden Wellen, als schillernden, trillernden Aufschein in einer Phase inneren Auf- ruhrs. Der violette Splitter, bruitistisch koloriert aus Modularsynthiesound und einem per- kussiven Fächer von Papier über Snare bis Pauke und Basstrommel, kurvt in dröhnenden und knurschig berstenden Spuren, mit gestanzten oder getackerten Beats, hackenden Hieben, wirbeligen und gepaukten Schlägen und zuletzt tönernem, sanft umdröhnten Glockenklang. Wo Splitter sind, gibt es auch Balken.