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Billet

Espaces éphémères dans Bad Alchemy

«Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 108, 1 décembre 2020
vendredi 19 mars 2021 Presse

AMBROSE SEDDON, Jg. 1971 und Brite, hat bei Denis Smalley promoviert und lehrt mit seinen akademischen Meriten Creative Technology an der Bournemouth University. Statt sich um den Abstieg der Cherries aus der Premier League zu grämen, richtete er seine akusmatische Imagination auf Espace éphémères (IMED 20169), darauf, dass nichts bleibt, wie es ist. Es bleiben nur Spuren, flüchtige Erinnerungen, Erinnerungen an Flüchti- ges. So bei ‘Traces of Play’ an die Spiele und die Spielsachen, mit denen Seddon mit sei- nem Sohn, als der klein war, gespielt hat. Auch ‘Pellere’, lat. soviel wie ‘vorwärts treiben / vorwärts stoßen’, spielt mit Erinnerung als Geisterfahrer im Zeitstrom. ‘The Nowness of Everything’ rührt her von Dennis Potter, als Drehbuchautor von “Der singende Detektiv” einem der ganz Guten. In Seddons Elternhaus wurde er insbesondere auch für sein Schwärmen für das weißeste Weiß eines Blütenmeers verehrt, und, als er den eigenen Tod schon vor Augen hatte, sein verwundertes: But the nowness of everything is absolutely wondrous. Seddon unterschreibt das mit seiner eigenen Feier des Alltäglichen. Bei ‘04_10_35_70’ spielt er wieder mit Zeit, die den einen mit Reibungsverlusten nicht schnell genug und den andern als animalisch impulsiv zu schnell vergeht. Mit ‘Fleeting Strands’ streift er die Küste von Norfolk und Devon entlang, weniger als Urlaubssouvenir, denn als Meditation darüber, dass gurgelndes Wasser und der Wind nichts unberührt lassen. ‘Fouram’ schließlich akzentuiert, gedämpft dröhnend, metalloid beunruhigt und wieder ge- dämpft dröhnend, den Effekt des Zeitenwinds auf das Bewusstsein, verbunden mit der Hoffnung, dass auch diese Gefühle flüchtig und vorübergehend sind. Gut möglich, dass die elektroakustische Atomisierung und Abstraktion der Außenwelt und die Verklanglichung der emotiven Innenwelt in granularem Brodeln, peitschender Gestik, Schlammtopfergüs- sen, glissandierenden Dopplereffekten, flattriger, tickliger oder knarriger Vibration und rauschenden Fluktuationen mit immer wieder metalloidem Beigeschmack der Arbeitsweise des Bewusstseins verwandt ist, bevor es zu seinen erkennungsdienstlichen Aushärtungen gelangt. Der menschlich-sinnliche Maßstab wird jedenfalls erweitert mit mikrodimensio- nalen Feinheiten, gehört wie mit inneren und mit Über-Ohren, als Hirnsausen in vage flu- tenden Nichtbildern.