Skip to main content
electrocd

Post

Alchimie in Odradek

“Kritik”, RK, Odradek, no. 3, January 3, 1998
Saturday, January 3, 1998 Press

Mario Rodrigue, ein kanadischer Elektroakusiker, war u.a. Schüler bei Francis Dhomont, von dessen musikalischem Denken er viel gelernt zu haben scheint. Die Spuren, welche diese Zusammenarbeit hinterlassen hat, vor allem hörbar im Sound, wie im konzepionellen Aufbau, sind jedoch nur ein Bestandteil eines großen Repertoires, das von sensiblen Naturgeräuschen, Vogelgesang, über Schritte, Stimmen, traditionelle mechanische Geräusche, bis zu Elektronik, — Radiofragmenten und symphonischen Elementen reicht, die mit viel Ernst und ebensoviel Humor verknüpft und gemischt wurden. Liquidität und Ruhe dieser Musik, vergleichbar den Arbeiten von Michel Redolfi, und die Dichte Dhomont scher Prägung sind ebenso zu finden wie die sensible Transparenz z.B. mancher natürlicher Geräusche bei einigen französischen Elektroakusikern. Rodrigue bewegt sich im fließenden Feld zwischen dem Konkreten und dem Imaginierten. Er spielt mit den Elementen, die sein Material sind, aber er verliert sich nie in diesem Spiel. Starke assoziative Verknüpfungen und Entwicklungsprozesse machen die intensive Lebendigkeit, den Witz und die Wärme dieser Arbeiten aus.

Uber Verfremdung verwandelt sich eine Waschmaschine, in der das Leben einer ganzen Stadt zu toben scheint, in einen Helikopter, der dann aLdreht und aus dem imaginierten Bild fliegt, — um nur eines aus einer Fülle von Beispielen zu beschreiben. Rodrigue’s Zauberkino für die Ohren ist reich an Inhalten und klar und transparent in seiner musikalischen Erzählweise, was bei diesem enormen Fundus an verwendeten Geräuschen und Klängen-und der Komplexität der daraus entstandenen Arbeiten sicher nicht selbstverständlich ist. Besser kann man elektroakustische Musik kaum machen. Das informative Booklet gibt Auskunft auch über technische Details und Arbeitsweise.