Der modulare Synthesizer Buchla erlebt seit einiger Zeit eine Renaissance. Ana Dall’Ara-Majek hat ihn als Quelle für ihre Arbeit genutzt. Ihr Zyklus Radiolaria ist dem Leben und den Strömungen im Meer gewidmet. Dass der „Ton Steine Scherben“-Schlagzeuger Wolfgang Seidel auch elektronische Musik komponiert bzw. damit experimentiert, auch mit einem Buchla, ist mir neu und umso größer die Überraschung, hier seine Experimente zu hören. Die musikalische Nähe zu seinem Freund Conrad Schnitzler ist nicht zu überhören. Church Andrews und Matt Davies loten die Möglichkeiten des Zusammenspiels von Schlagzeug und Synthesizer aus, was stellenweise sehr populär klingt. Dennoch überwiegt der experimentelle Anteil. Ein wichtiges Element in der Musik von Ludwig Berger ist die synthetische Stimme, die uns Geschichten über das Ökosystem und das Aussterben von Arten erzählt. Seltsame Sphären erklingen.
Radiolaria ist ein Zyklus elektroakustischer Werke mit Klängen aus dem Buchla 200, dem legendären modularen Synthesizer aus den 1970er Jahren. Ich habe im Sommer 2022 während eines Aufenthalts im Elektronmusikstudion (EMS) in Stockholm (Schweden) eine Reihe von Improvisationen auf diesem Instrument aufgenommen, die ich dann als Rohmaterial verwendet habe.
Der Zyklus basiert auf dem Leben im Meer, insbesondere dem Plankton, das aus einer großen Vielfalt mikroskopischer und makroskopischer Tier- und Pflanzenarten besteht, die von den Wasserströmungen mitgerissen werden.
Mein Ziel mit dem Buchla 200 war es, eine Sammlung von Klangfarben“ zu schaffen, die die verschiedenen Arten des Planktons repräsentieren sollten. Die ursprüngliche Natur der modularen Synthesewellen spiegelt die Einfachheit der einzelligen Organismen in den Ozeanen wider. Ich experimentierte auch mit dem Raum, indem ich mit dem analogen AKG BX20 Federhall des Studios experimentierte, um die Bewegungen der Wellen und die allgegenwärtigen Unterwasserströmungen darzustellen.
Die 8 Stücke des Zyklus Radiolaria wurden 2022 im Elektronmusikstudion (EMS) in Stockholm (Schweden) und 2023 im Studio Blue Spider in Montréal (Québec) realisiert. Vielen Dank an das gesamte EMS-Team. Die Realisierung dieses Werkes wurde durch den Conseil des arts et des lettres du Québec (CALQ) ermöglicht.