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  • Vues spectrales dans To Periodiko

    «Review», Antonis N Frangos, To Periodiko, 30 mars 2021
    mercredi 31 mars 2021 Presse

    To Vues spectrales, του Νεοζηλανδού ηλεκτροακουστικού συνθέτη και οργανίστα, Denis Smalley, συγκεντρώνει τρία απ’ τα πολυκαναλικά του έργα γραμμένα μεταξύ 2001 και 2011, τα οποία μετάτρεψε σε stereo ήχο. Υπάρχει, επίσης, ένα ακόμη από το 1982 (“Vortex”). Περίπου 15’ το καθένα τροχοδρομούν μέσα σε αμπιεντικά και ατμοσφαιρικά ηχοτοπία εμπλουτισμένα με field recordings γεμάτα κελαηδίσματα πουλιών, ήχους άνεμου μέσω φύλλων —μεταλλικά χτυπήματα, κρουστά από άδεια μπουκάλια, κουδούνια και sci-fi ατμόσφαιρα. Το παλιότερο κομμάτι, περισσότερο χαοτικό, θυμίζει μάλλον σάουντρακ του Doctor Who!

    … ambiances et de paysages sonores atmosphériques…

    Figures de son dans Musik an sich

    «Kritik», Wolfgang Kabsch, Musik an sich, 16 janvier 2021
    vendredi 26 mars 2021 Presse

    Patrick Ascione war ein 1953 geborener französischer, studierter klassischer Komponist und Elektronikmusiker sowie Experimentalmusiker. Er verstarb 2014 während der Arbeit (der Postproduktion) an für dieses Album vorgesehenen Stücken. Einen Großteil seines Lebens hat er mit dem Lehren von moderner Komposition und vor allem elektroakustischer Musik verbracht, aber nebenbei auch einige eigene Kompositionen geschrieben und aufgenommen. msng enthält nun fünf Aufnahmen aus den Jahren 1998-2004.

    Patrick Ascione pflegte auf diesen Stücken einen sehr perkussiven Ansatz. Viele der elektronisch erzeugten Klänge funktionieren als Perkussion und gestalten eine sehr rhythmische, aber obskure Klangwelt. Was jedoch bei vielen Arbeiten anderer elektroakustischer Soundmaler am Ende wie dissonantes Geräusch klingt, wird bei Patrick Ascione tatsächlich zu einem klangmalerischen Gesamtbild. Dies liegt daran, dass er die unwirklichen Klänge immer wieder in melodische und/oder sehr getragene (bombastische) Gewänder steckt.

    Diese verschweißen die scheinbar endlosdauernden Sounds zu eben diesem Gesamtkunstwerk. Aus den fünf Stücken entsteht ein Wall of Sound, der nicht erdrückt und immer wieder in ruhige, eher zerbrechliche Parts zurückfällt. Durch das Zusammenwirken aller Element entsteht ein Soundtrack für obskures Kopfkino.

    Eines der wenigen Werke aus diesem Genre das man tatsächlich durchhören kann ohne seine Sinne zu überfordern.

    C’est l’une des rares œuvres de ce genre que l’on peut écouter sans se laisser submerger par les sens.

    Espaces éphémères dans Musik an sich

    «Kritik», Wolfgang Kabsch, Musik an sich, 18 décembre 2020
    vendredi 26 mars 2021 Presse

    Ambrose Seddon ist ein Komponist der Stücke für elektroakustische Musik schreibt und aufnimmt. Sein neues Album Espaces éphémères enthält sechs seiner Kompositionen und Einspielungen aus den Jahren 2005 bis 2017, die es insgesamt auf etwas über 72 Minuten Klangkunst bringen.

    Ambrose Seddon arbeitet dabei eher subtil, soll heißen er vermischt Klänge unterschiedlichster Art zu einem Klangteppich, ohne dabei in die Kakophonie zu verfallen. Es flirrt und zirpt an allen Ecken und an den Kanten dröhnt und klingelt es, aber man merkt durchaus, dass dem Ganzen eine Komposition zu Grunde liegt. So bilden sich aus den Klängen so etwas wie Musikstücke, wenn auch nur atmosphärischer Natur. Melodien entstehen nur selten, werden aber ob der großen Atmosphäre nicht wirklich gebraucht.

    Man muss dieser Klangkunst die Luft zum Atmen geben, welche der Künstler ihnen auf jeden Fall durch die eher spartanische Instrumentierung gegeben hat. Es wird mit viel Dynamik gearbeitet, ohne ins Ohrenbetäubende zu verfallen.

    Ein spannendes Werk mit einer glasklaren Klangqualität, welches zum richtigen Zeitpunkt gehört, ein Genuss ist.

    Une œuvre passionnante avec une qualité sonore cristalline, qu’il est agréable d’écouter au bon moment.

    Figures de son dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 108, 1 décembre 2020
    vendredi 19 mars 2021 Presse

    Figures de son (IMED 21171) erinnert an den farbenfrohen Pariser Elektroakustiker PATRICK ASCIONE (1953-2014). Der hat mit “Métamorphose d’un Jaune Citron” (1995 auf Metamkine!), “Bleus et Formes”, “Lune Noire”, “Suite Blanche pour les Temps Nouveaux”, “Cet extrême silence des couleurs” unermüdlich Felder der Erinnerung ausgemalt, als “Espaces-Paradoxes” in einer “Polyphonie-polychrome”, stereoskop mit einem primitiven und einem Picasso-Auge. Ich weiß nicht, ob er auch noch, als mit ‘Diabolique’ ein später Versucher seine Bühne betrat, an der Überzeugung festhalten konnte, dass Musik ebenso wesentlich Klang ist wie Klang längst schon essenziell Musik ist. Das hier sind jedenfalls Beispiele seines ausgereiften Gestaltungswillens: “Énième” (2004) ist Asciones x-ter Ver- such einer praktischen Antwort auf das ‘Warum und wozu Musik und wie fange ich es/sie an?‘ Mit fiebernden Strings und aufforderndem “Hey”, das eine Rudercrew anspornen könnte. “Ascionerie n°6: Fantaisie diabolique” (2011-12) ist als Schlussstein der 6-teiligen Reihe “Figures de style” auch so etwas wie das abschließende Kapitel seiner Autobiogra- phie. Als nochmal sarkastische Absage an die teuflische, kasperltheatralisch durchge- spielte Versuchung, Electronica zum Rumhopsen zu machen statt marginale Kunst. “Di- vertissement” (2001) ist kein Bekenntnis zu Entertainment, folgt aber doch launig und uptempo oder mit cinedrastischem Thrill dem Vorsatz, nicht zu langweilen. Mit “Et puis l’oubli” (1998) hat Ascione schon früh daran gerührt, wie Erinnerung in Vergessen über- geht. Wenn Worte und Gesichter verlöschen, kann vielleicht plastisch-dramatischer Klang den Gedächtnispalast noch einmal illuminieren. “Danse de l’Aube” (2000–2002) wirft sogar die Frage auf, ob tänzerische Konturen tatsächlich gegen den elektroakustischen Kodex verstoßen. Und lässt mit dem, was da in der Dämmerung rumhopst, den eh nur halbgaren Spruch „Über Musik schreiben ist wie über Architektur tanzen“ ziemlich alt aussehen. So originell und explizit wie Ascione, Lecours und Vande Gorne mit “Illusion” ins gelegentlich doch etwas verdrießliche Einerlei der akademischen, im eigenen Saft schmorenden Elektroakustik grätschen, das könnte von mir aus gerne, ja mehr noch, das sollte dem Vorsatz, nicht zu langweilen, stärkere Geltung verschaffen.

    Éclats dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 108, 1 décembre 2020
    vendredi 19 mars 2021 Presse

    Éclats (IMED 20170) bringt Klangsplitter des 1983 in Québec geborenen, aber in Montréal ausgebildeten PIERRE-LUC LECOURS, der nur als bebrillter Kahlkopf Ambrose Seddon verblüffend ähnelt, nicht im Temperament. Weder beim 4-teiligen Farbenspiel ‘Éclats’ (2014-20), noch bei ‘Impacts discrets’ (2014) als surrealem Mikrokosmos, durchsetzt von dröhnenden Kurven und pulsenden Wellen, von rauschigen Schüttungen, abrupten Ver- werfungen, leise dongenen Lauten, rhythmischem oder rabiat dreinschlagendem Aggro. Das synästhetische Quadrupel in ‘Rouge’, ‘Noir’, ‘Blanc’ und ‘Violet’ ist im ersten, dem roten Werkstück ein Action Painting, angeregt durch automatistische Malerei. Also jenem surrealistischen Bestreben bei etwa Hans Arp und André Masson, auch noch die Fesseln der eigenen geistigen Selbstkontrolle abzuschütteln, das mit Paul-Emile Borduas und Les Automatistes ja eine besondere frankokanadische Spielart ausformte — Stichwort: ‘Refus global’, 1948 ein Zeckenbiss gegen die grande noirceur, die große repressive Dunkelheit. Als Klangquelle nimmt Lecours dafür Sounds aus dem Innenklavier, perkussive Einschlä- ge, ruppig geharfte Gesten, aufquellende Dröhnblasen, dissonantes Schleifen, ausge- spannt zwischen verhalten und eruptiv. Im zweiten Splitter formt er aus dröhnendem, haarfeinem, drahtig perkussivem und glissandierendem Celloklang, modularer Granula- tion, Vogelgezwitscher, Wind und surrenden Fliegen ein bedrohlich verdunkeltes und abendlich verdämmerndes Ambiente. Das Weiß dekonstruierte er aus verhuschten Flöten- kürzeln, gedämpft perkussiven, kaum als paukig erkennbaren Akzenten und posaunig brummenden Wellen, als schillernden, trillernden Aufschein in einer Phase inneren Auf- ruhrs. Der violette Splitter, bruitistisch koloriert aus Modularsynthiesound und einem per- kussiven Fächer von Papier über Snare bis Pauke und Basstrommel, kurvt in dröhnenden und knurschig berstenden Spuren, mit gestanzten oder getackerten Beats, hackenden Hieben, wirbeligen und gepaukten Schlägen und zuletzt tönernem, sanft umdröhnten Glockenklang. Wo Splitter sind, gibt es auch Balken.

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