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Le dernier présent in Fidelity

“Kritik”, Roland Schmenner, Fidelity, no. 22, October 1, 2015
Thursday, October 1, 2015 Press

Elektronische Hörspiele — gibt es sowas? Und dann noch ohne gesprochenen Text? Spätestens, wenn literarische Texte zum Titelgeber und zur Inspirationsquelle des rein musikalischen und akustischen Geschehens werden, muss man die Frage bejahen. Georges Forget, der am Konservatorium von Bordeaux ausgebildet wurde, gilt seit den frühen 2000er Jahren als einer der führenden Köpfe der elektronischen Musik Kanadas. In seinen Stücken ist es schwer auszumachen, ob sich nun der Einfluss der eher akademischen Musik oder der aus der Independent-Szene durchsetzt. Verkürzt könnte man auch sagen: Boulez meets Drone. So auch auf dem aktuellen Album Le dernier présent, das sechs im Zeitraum zwischen 2007 und 2010 entstandene Kompositionen zeigt, die allesamt das Kino im Kopf anwerfen. Zwei Stücke basieren jeweils auf Texten von Ernst Jünger und Charles Baudelaire und zeigen das Changieren Forgets zwischen Romantizismus und Brachialität, zwischen Stille und explodierendem Lärm, zwischen feinziseliertem Klang und trashigem Geräusch. Sechs Minidramen bohren sich beim Hören in den Kopf und sind auch noch beim Erfassen des nächsten Tracks präsent, so dass beim Durchhören der CD ein permanentes Überlappen herausfordernder Klangereignisse den Hörer in den Sessel drückt und ihn nicht mehr loslässt. Es ist die ultimative Kopfhörermusik, denn mit den zwei Klangschalen auf den Ohren gerät man in ein geschlossenes musikalisches System, das einen auf beinahe furchterregende Art gefangen nimmt.