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  • Nano-Cosmos in The Sound Projector

    “Review”, Ed Pinsent, The Sound Projector, January 10, 2019
    Monday, January 14, 2019 Press

    From the Canadian label Empreintes DIGITALes comes another prize-winning Montréal composer with a selection of their recent electroacoustic work. On Nano-Cosmos, Ana Dall’Ara-Majek presents five pieces all themed on the life of microbes, mites, tiny arthropods, bacteria, and crickets. As far as I can make out, there are no actual field recordings or real-life data feeding into the work, and all the works are attempts to reflect the actuality of these microscopic worlds simply using imagination and observation. I certainly like the idea that she might have given a “voice” to the mites on Diaphanous Acarina, and a platform to the bacterial underdogs on Bacillus Chorus; even tiny parasites are given their day in the sun on Pixel Springtime Promenade, making use of “granular synthesis, glitch, and micro-montage.” Not unpleasant.

    … five pieces all themed on the life of microbes, mites, tiny arthropods, bacteria, and crickets.

    Troubles in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 100, December 1, 2018
    Thursday, January 10, 2019 Press

    Monique Jean, die ‘akadische Sirene’, fand schon mit L’adieu au s.o.s. (2003) und Greffes (2012) BAs Aufmerksamkeit. Troubles (IMED 18152) enthält mit Out of Joint ein Audiodrama, das die tausend Plateaus shakespeare’scher Charakterzeichnung und Weltanschauung nachzittern lässt. Im ungeschiedenen Zugleich von Poesie, Schurkerei, Thron und Nachttopf. T.A.G. = Trottoir, Asphalt & Goudron [Teer] lässt daneben das Fließen urbaner Massen als heterogenen Multitudes anklingen, in demonstrativen Schüben und als subterrane Unterströmung. Als dröhnender Flow vermengen sich schimmernde, schnurrende und dunkel wummernde Klänge mit solchen, die brodelig aufbrausen, wooshen und zerren in bebender, pfeifender, zuckender, kullernder Dramatik. Darin eingeflossen sind Polizeisirenen und Schritte, sublimiert zu den Fanfaren und Rhythmen eines abstrakten Expressionismus in glissandierender, lokomotiver und galoppierender Bewegung. Ähnlich gestaltet Jean die shakespeare’sche Dramatik, hechelnd und flattrig, ruppig und impulsiv, mit dröhnenden Wooshes und stehenden Wellen neben gewittrigen und vulkanischen Detonationen, rhythmischen Motiven, sirrender Konvulsion und surrender Stagnation. Bis hin zu einer martialischen Kriegskulisse und protestierenden Krähen. Allerdings könnte ich, selbst wenn Leben auf dem Spiel stünden, da nicht den Rückschluss auf Shakespeare oder was auch immer ziehen. Wer weiß, was sich — ich wiederhole mich da gern — einstellen würde an Eindrücken, Assoziationen, Gefühlen, Stimmungen ohne die verbalen Leitplanken? Viel mehr als vielleicht ‘Turbulenzen’ wäre als konnotative Annäherung an Jeans Troubles erstmal nicht drin.

    … dramatic, panting and fluttering, rough and impulsive, with booming wooshes and standing waves…

    Mistpouffers in Bad Alchemy

    “Kritik”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no. 100, December 1, 2018
    Thursday, January 10, 2019 Press

    Érik Mathon bekannt als eRikm und z.B. Michel Doneda, dieb13, Fennesz, Martin Tétreault, Otomo Yoshihide, Jérôme Noetinger, Catherine Jauniaux oder Norbert Möslang, das geht und gehört seit 20 Jahren zusammen. Dagegen verwundert es ein bisschen, den 1970 in Mulhouse geborenen Impro-Turntablisten mit Mistpouffers (IMED 18151) unter den Akademisch-Etablierten eingereiht zu finden. Aber waren da nicht auch schon Luc Ferrari, Donaueschingen oder Les Percussions De Strasbourg? In BA sind High & Low freilich selbstverständliche Bettgenossen. Doch das sind Nebensächlichkeiten, wenn sich eRikm von Georges Yoram Federmann zu den ‘Malgré-nous’ de l’histoire zählen lässt. Federmann ist ein französischer Psychiater, der mit ‘Judenhut’ Position bezieht. Im Menachem-TaffelKreis bemüht er sich um die Erinnerung an die 86 für die grausige ‘Straßburger Schädelsammlung’ ermordeten Juden, machte zuerst aber von sich reden, dass er sich um kriegsinvalide Malgré-nous kümmerte. Das waren jene etwa 130.000 ‘wider Willen’ zur Wehrmacht und SS zwangsrekrutierten Elsässer und Lothringer, die nach dem Krieg als Verräter und Kollaborateure in Frankreich verschrien waren und erst 2010 rehabilitiert wurden. Das erscheint mir als doch bemerkenswerte Hinführung auf Draugalimur. Dazu wurde eRikm angeregt durch den Schauplatz des Prologs von Ridley Scotts “Prometheus”, dem DettifossWasserfall in Island, und durch ‘Móðir mín í kví kví’, ein isländisches Wiegenlied, aus dem die Untertöne eines Kindesmordes verdrängt wurden. Er lässt, zu gesprochenen Zeilen des Liedes, im Klang von berstendem Eis und Getrommel auf aufgelassenen Lebertrantanks Naturgeräusche und Menschennot, schmerzliche Beklemmung und musikalische Verzauberung sich im Imaginären kreuzen. Poudre geht aus dem eskalierenden Böllern und Prasseln eines Silvesterfeuerwerks in Berlin hervor. Da rührt auch der flämische Ausdruck ‘Mistpouffers’ her, der für sich selber spricht. Der Elsässer hört dabei im exaltierten Krawall den möglichen Umschlag in zerstörerische Ausschreitungen. Und gedankenspielt mit W. S. Burroughs’ Idee, eine frustrierte Menge mit der Rückkopplung ihres eigenen Krachs zu irritieren und zu attackieren. Bei L’aire de la Moure 2 schließlich hat er ein blutig verfärbtes Felsplateau nordöstlich von Marseilles vor Augen, das als Übungsgelände dient für das Löschen von Waldbränden aus der Luft. Daher das Rot, durch das die Felsen an den Uluru der Aborigines erinnern. Dazu verbindet eRikm Bruce Chatwins “Traumpfade”, Paul Virilios Dromologie und, aus dem Mund von Natacha Muslera, Paul Éluards ‘À la flamme des fouets’ mit seinem alten Kindheitswunsch, fliegen zu können, den er symbolisch realisiert mit Worten, Bildern und Klängen: tickenden, schreitenden, peitschenden Lauten, Wind und Wasser, rauen Vogelstimmen, rhythmischem Wummern, brausenden Flugzeugen. Métal qui nuit, métal de jour, étoile au nid…

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