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  • Illusion dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 108, 1 décembre 2020
    vendredi 19 mars 2021 Presse

    Illusion (IMED 20165) bringt mit “Déluges et autres péripéties” gleich eine weitere Kompo- sition von ANNETTE VANDE GORNE nach Poesie von Werner Lambersy. Eingerahmt vom metallophon gedengelten und xylophon geharften Klingklang von “Au-delà du réel” (in me- moriam Arsène Souffriau, een sleutelfiguur uit de eerste generatie Belgische componisten van elektronische en experimentele muziek). Und von “Faisceaux” als pianistischem Schat- tenspiel in einer akusmatischen, verdüstert monotonen Version und einer dialogischen, pianistisch weiter aufgefächerten. Aber in der Hauptsache liefert Lambersy den apoka- lyptischen Grundton eines Hörspiels, in dem er leitmotivisch die Auslöschung herbeiruft, um Platz zu machen für un autre Eden: After the genocides, the famines, the organised economic disasters, AIDS, Guantanamo, assassination by drones, carbon emissions and atomic waste beneath our feet for millions of years: we wait for the Destruction. Ein Groß- reinemachen, damit sich wieder Unschuld einstellen kann, empfänglich für poems, music, mathematics, “heroic frenzies”, the microscopic and universal grandeur of the human being. Statt dessen — das Hirn von Troglodyten, die Fresse von Cäsaren (Danke, Benn), the chimneys of the Nazis, the doghouse of the media, inhuman profits, organised corruption and brutalisation und ein nasses Grab für verzweifelte Flüchtlinge. Schluss mit dem Rol- lenspiel von Tätern und Opfern, nichts, weder Grille noch Schmetterling noch ein unstill- bares Sehnen nach Musik können den Fortbestand der Yahoos und der Gräßel-Wüteriche (Danke, Lem) rechtfertigen, deren Wüten den point of no return überschritten hat. Nur eins kann uns vor der Auslöschung retten — die Selbstvernichtung: nothing is the force / that re- novates the world (Merci, Emily Dickinson). Lambersy spricht selber, Françoise Vanhecke schreisingt als Furie, Vande Gorne zitiert Pasolini, Anatol France und Lévi-Strauss. Cioran und Ulrich Horstmann haben sie lange schon gepredigt, die anthropofugale (Er)Lösung.

    Haïkus dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 108, 1 décembre 2020
    vendredi 19 mars 2021 Presse

    Annette Vande Gorne, mit Jg. 1946 die belgische Grande Dame der Elektroakustik, kehrt mit Haïkus (IMED 20164) zu alten Meistern zurück, zu Bashō und Breughel, dessen “Jäger im Schnee” ihr Thema illustriert. Angeregt durch Haïkus ihres Landsmanns Werner Lambersy (Le Mangeur de nèfles, Au pied du vent), kreist sie, gerahmt durch “Jour de l’an” (als fünfter japanischer Jahreszeit), von “Printemps” über “Été” und “Automne” zu “Hiver”. Mit einer Sensibilität, die Vivaldis Jahreszeiten-Zyklus und dessen Widerhall bei Jean Michel Jarre filtert durch die ästhetische Maßgabe von Haikumeister Bashōs “fließender Bestän- digkeit” und Baudelaires “ordre et beauté” als apollinischem Ideal, auf das sich schon Vande Gornes Lehrmeister Pierre Schaeffer berufen hat. Das Ganze als klangliches Ge- webe aus 17 Haikus mit 12 “Jeux”, Spielen von Vögeln, Insekten, Kindern, des Wassers und von Feuerfunken, fragmentierten, wiederholten, monotonen Spielen und tänzerischen oder träumerischen Momenten. Mit kontinuierlicher Aboutness und spurenelementarer Rückbindung an immer wieder Debussy, Schumann, Schubert, Poulenc, Messiaen, Du- fourt, Ligeti und als kollegialer Tribut an Pierre Henry, R Murray Schafer, Bernard Parmegiani und François Bayle verschmilzt Vande Gorne romantische Phantasie mit impressio- nistischen Augenblicken und solchen durch Dziga Vertovs Kameraauge. Vom krachenden Neujahrsfeuerwerk in surrealer Dehnung und kristallisiertem Debussy-Piano hin zu be- zwitscherten und sprudelnden Szenen und einem von Möven aufgemischten Spielplatz, jeweils in elektroakustischen und orchestralen Konvulsionen. Mit Hummeln und Grillen steigt die Sonne, Faun faulenzt in stagnierender Hitze, Donner grummelt, Liszt irrlichtert. Danach, zwischen glissandierenden Wooshes, Pressluftgehämmer, Flugzeuggebrumm und jauliger Sitar, Herbstnebel und Herbstlaub, debussyesk und raschelig. Schließlich kratzen Schlittschuhkufen über ein Piano, die Zeit scheint eingefroren, gedämpfter Gesang loopt, Stimmen zucken in schmelzendem Gebrodel, metalloider Klingklang verhallt in eisiger Luft. Bis zuletzt Tempelglocken und Gongs ein neues Jahr begrüßen.

    Éclats dans Blow Up

    «Recensione», Massimiliano Busti, Blow Up, no 274, 1 mars 2021
    vendredi 19 mars 2021 Presse
    Une œuvre dans laquelle on apprécie la spatialité et la qualité remarquable des sons, mais surtout la capacité de l’auteur à harmoniser chaos et silence, esprit vital et mondes artificiels. 7/8
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