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  • L’envol in Polyphonia

    “Recenzje”, Łukasz Komła, Polyphonia, March 3, 2015
    Tuesday, March 3, 2015 Press

    L’envol to pierwsza solowa płyta Elizabeth Anderson — amerykańskiej kompozytorki urodzonej w Brukseli. Twórczość Anderson również skupia się na akuzmatycznych eksploracjach i przestrzeni.

    Morphogenèse in Polyphonia

    “Recenzje”, Łukasz Komła, Polyphonia, March 3, 2015
    Tuesday, March 3, 2015 Press

    Erik Nyström to szwedzki kompozytor mieszkający od wielu lat w Londynie. W swoich praca kładzie radykalny nacisk na przestrzeń oraz wizualne i fizyczne doświadczenia dźwiękowe, przy użyciu m.in. systemów wielokanałowych. Tytuł płyty Morphogenèse (dosłownie „przekształcenia”) nawiązuje oczywiście do badań nad geometrią bezkształtu prowadzonych przez francuskiego matematyka polskiego pochodzenia Benoita Mandelbrota. Kompozycje z „Morphogenèse” to przykład ciekawych eksperymentów gdzieś na styku akuzmatyki i elektroakustyki.

    L’envol in Jazz ’n’ More

    “Kritik”, Christof Thurnherr, Jazz ’n’ More, no. 2, March 1, 2015
    Sunday, March 1, 2015 Press

    Als repräsentatives Beispiel aus dem inzwischen 135 Releases umfassenden Katalog sei hier die aktuelle CD L’envol der Wahl-Brüsselerin Elizabeth Anderson erwähnt. Anderson schloss ihre fast dreissig Jahre dauernde Hochschulausbildung in elektronischer Musik 2011 mit einem Doktorat im Fach Elektroakustische Komposition ab. Ihr allgemeines Interesse gilt der musikalischen Thematisierung des Raumes, sei es in der Mikrooder der Makroperspektive, womit sie musikalisch an die kunstphilosophische Diskussion anknüpft, die das Ehepaar Eames bereits 1977 mit ihrem Film “Powers of Ten” populär gemacht hatten. Mit L’envol schafft Anderson eine immersive Klanglandschaft, in welcher sie unterschiedliche Grössenverhältnisse überlagert und so einen sehr spannenden Blick auf die Relativität des eigenen Bezugs zur Umwelt herstellt — ein akustischer Ausflug in eine alternative Wahrnehmung, der im Gewohnten durchaus nachwirken kann.

    Dômes in Abwärts!

    “Kritik”, Robert Mießner, Abwärts!, no. 7, March 1, 2015
    Sunday, March 1, 2015 Press

    Wie aber klingt Heiner Müllers Die Hamletmaschine ohne Schauspieler? Ob ihm die Vorstellung gefallen oder ihn zumindest amüsiert hätte? Die zweite Frage ist spekulativ; die erste kann beantwortet werden. Auf Dômes (empreintes DIGITALes, 2014), einer CD des kanadischen Komponisten Robert Normandeau, findet sich ein achtminütiges Stück mit dem Titel Hamlet-Machine without Actors. Die bedrohlichen, mäandernden Sounds erarbeitete Normandeau für eine Montréaler Müller-Inszenierung seiner Landsfrau Brigitte Haentjens. Normandeau komponiert seit Mitte der Achtziger elektroakustische und akusmatische Musik. Dabei ist vieles für die Bühne entstanden. Er ist nicht der erste, der Die Hamletmaschine in Musik setzte: Zwischen 1983 und 1986 vertonte Wolfgang Rihm Müllers Stück als Musiktheater in 5 Teilen. 1990 nahmen Wolfgang Rindfleisch vom Rundfunk der DDR, Blixa Bargeld und FM Einheit von den Einstürzen- den Neubauten zusammen mit Gudrun Gut und Heiner Müller eine Hörspielproduktion auf, die als vergiftetes Geschenk kurz vor dem ersten Tag der Deutschen Einheit ausgestrahlt wurde. Normandeaus Kunstgriff, die Stimmen und Klänge der Schauspieler aus seinem Tonstück herauszunehmen, geht auf. Trotzdem oder gerade deshalb sieht man beim Hören dann doch Hamlet „an der Küste“, „mit der Brandung BLABLA“ redend, „im Rücken die Ruinen von Europa“. Seine Verweigerung, die Doppelrolle als Aufständischer und Unterdrücker; schlussendlich Ophelias all- umfassende, entthronende Absage.

    Morphogenèse in A Closer Listen

    “Review”, Richard Allen, A Closer Listen, March 1, 2015
    Sunday, March 1, 2015 Press

    Most albums are instantly accessible, their underlying concepts easily penetrable by the common public. Not so Morphogenèse, an album that travels from deep sea to deep space, searching for boundaries yet finding only greater expanses.

    The track descriptions can be intimidating, so we’ll quote only one in this review. Erik Nyström‘s first sentence reads, “The title alludes to phases where sound is undergoing a process of molecular milling, fragmenting into its most primitive constituents, not unlike the ‘catabolic processes’ Rudolf Arnheim described in his essay Entropy and Art.” The artist is clearly not appealing to the average reader. For such (including myself), we’ll need a different tactic.

    The title of the album can be broken into root words morphê (shape) and genesis (beginning), which makes morphogenèse “the beginning of the shape.” Nyström’s work is inspired by matter, space and sound as they evolve and/or decay. More importantly, his interests lie in the “novel organization of sound.” On this album, he executes his vision in a series of elaborate, extended movements.

    The album is approachable not only despite its complexity, but because of it. These five pieces — none briefer than 12 minutes — may lack hooks, but they yield a clear sense of direction. Nature vacillates between the random and the ordered, and these compositions follow suit; while each changes shape as it develops, each has a chartable shape, from parabola to ascending line, suggesting later patterns like unfinished frames of code.

    Nyström’s electronic bubbles and teeming drones imitate familiar sources: boiling water, steam hisses, lapping waves, buzz saws, wind. Some churn like magma; others erupt like hot spring geysers. An occasional bell strike offers a solid foothold on an occluded path; on Lucent Voids, brooks and birds contribute a sense of (adapted) reality. The repeated chords of Cataract yield the most recognizable form, yet even these change along the way. The components remain in motion, adopting new paths, imitating the black tributaries of the cover image.

    These thickets of sound reflect unmapped territories, exuding promise and danger. It may have been difficult for Nyström to commit them to disc: a fixed form for the unfixed. In his mind, these works continue to mutate, like black holes expanding and imploding.

    … these works continue to mutate, like black holes expanding and imploding.

    Morphogenèse, Fenêtres intérieures in Amusio

    “Roxanne Turcotte & Erik Nyström — Einengung und Entgrenzung”, Stephan Wolf, Amusio, February 18, 2015
    Wednesday, February 18, 2015 Press

    Wie der bereits vorgestellte Robert Normandeau stammt Roxanne Turcotte aus Montreal — und veröffentlicht nach Amore, Libellune und Désordres ein viertes Album auf empreintes DIGITALes. Fenêtres intérieures kehrt anhand scheinbar lose texturierter Arrangements die Außensicht nach innen — und wieder zurück in die Erscheinungswelt scheinbar unbegrenzter Wahrnehmung. Der schwedische Klangforscher Erik Nyström verfolgt auf Morphogenèse einen umgekehrten Ansatz. Indem er unsichtbare Größen und Größenverhältnisse räumlich erlebbar macht, legt er die Amplituden fest (oder zumindest spürbar nahe) und fixiert somit den Nachvollzug.

    Betont unverbindlich beginnt die Komponistin und Sound Designerin Roxanne Turcotte ihre Überlegungen zum Sinnbild der Fenêtres intérieures. De la fenêtre skizziert, vermutet und verwirft mit arbiträr flirrenden Andeutungen von Ortung und Ordnung ein sich sukzessiv der Sinnfälligkeit preisgebendes Vexierspiel, das „anfällig für extreme Sorglosigkeit und Leichtsinn“ (Roxanne Turcotte) bleibt. Das sich anschließende Bestiaire führt mit Vogelgezwitscher oder Regenwaldwald-Atmo eine Orientierung ins Feld, die spätestens bei Petit Ange den Klangraum für einen psychoakustisch wirksamen Dialog zwischen den nun identifizierbaren Protagonisten und dem Rezipienten eröffnet: „Je suis un personnage de cinéma“.

    Endlich ist das Feld für einen narrativen Aufhänger bestellt, doch wird dabei vornehmlich und ähnlich subtil wie in den Filmen von Alain Resnais das Verhältnis von Ereignis und Kommentar, von Diegese und Parallelität verhandelt. Das Objet Volant Indentifié versinnbildlicht die trügerische Identifikation von Sound & Vision: Längst hat die Innensicht den äußeren Rahmen (Fenster) überfüllt, doch die von nun an markanter ausgerichtete Grundierung (Gitarren!) bietet der Wahrnehmung weiterhin immer wieder neue Bezugspunkte an.

    Es mag von einem analytischen Standpunkt aus unerheblich sein, wie Musiksubjektiv erfahren und verstanden wird. Vielleicht sollte stärker als üblich vernachlässigt werden, was die Musik mit dem Hörer macht, sobald sie von ihm als Musik anerkannt wird. Wat den einen sin Uhl is, is den annern sin Nachtigall. Diese letztlich in die Irrelevanz führende Empfindungspluralität zu bändigen, kann als ein Versuchsfeld des in London tätigen Erik Nyström ausgewiesen werden, zumal er sich auf die Auseinandersetzung mit Texturen konzentriert, die ausgehend vom räumlichen Wahrnehmungsvermögen als allgemeingültig zu verifizieren sind.

    Auf Morphogenèse unternimmt Erik Nyström den (anmaßend-mutigen) Versuch, elastische Topologien von sowohl figurativer als auch amorpher Natur (?) auf physikalische Erregungszustände anzusetzen, die zu einem „warp in a world of eternal genesis“ führen sollen, also zu einer vergleichsweise prosaischen Idealvorstellung eines gezielt ausgelösten Effekts.

    Doch wie hört sich das nun an? Reduziert man die etwas zu kryptische Anhäufung von verbalen Theoremen, die der Komponist seinem Werk mit auf dem Weg gibt, auf die Belastbarkeit eines autonom Hörenden, so bietet Morphogenèse eine sensorische Erfahrung von Skalen, Graphen und ähnlichen Visualisierungen von Volumen, Dichte oder Dezibel, also von Werten, die letztlich aiuch nur einen Behelf zur Quantifizierung, eben, darstellen.

    Das Schwellen und Schwären des Sounds, das Aufwallen und Abflauen seiner Gezeiten an akustischen Gestaden — es erweist sich als Hinweis auf eine räumliche Ausdehnung in potenzieller Unendlichkeit. Mit dem absoluten Nullpunkt (Stille) als einzigen Ausgangs- oder Anhaltspunkt. Das isolationistische Vergnügen an Morphogenèse ist in etwa so reizvoll, wie exklusives Wissen um Parallelwelten, vorausgesetzt, man darf es für sich behalten. Oder auch weitergeben, wie die Empfehlung dieses Albums.

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