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  • Sondes dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 37, 25 janvier 2001
    jeudi 25 janvier 2001 Presse

    Sondes versammett sechs Arbeiten des Kanadiers Randall Smith (1960, Windsor, Ontario), alle zwischen 1995 und 1999 entstanden, keines kürzer als neun, keines länger als fünfzehn Minuten. Drei Kompositionen, InsideOut, Elastic Rebound und The Unmoved Centre sind ‘konkrete Musiken auf der Basis von Tonbandsamplings, Continental Rift ist für Cello und Tonband geschrieben, Convergence für Akkordeon und Tonband, Liquid Fragments 1 schließlich für Kontrabass, Altflote und Tonbandmix. Smith inszeniert seinen Stoff als impikite Programmmusiken, auch wenn von seinem Sinn für Spannung und Abenteuer nur die reine Essenz, erruptive Dramatik und Schwindel erregender Abwechslungsreichtum in Form seiner zupackenden Klangsprache sich spontan vermittelt. Bei InsideOut (1999) schickt Smith die Imagination mit gesampelten, stark verfremdeten Klangen von Altflote, Violine, Klarinette und Kontrabass auf eine Odyssee, einen Hindemislauf durch die Gerauschwelt, zu dem John Williams Soundtrack für Jaws und Bernard Hermanns Psychohorrorsounds Pate standen. Hinter Elastic Rebound (1995) wirken als Inspirationsquelle die tektonischen Gewalten und Friktionen kollidierender Kontinentalsockel, Kallfornien als landscape in flux. Continental Rift (1995) macht Anleihen bei Bach, Beethoven und Kodaly, um daraus eine cellistische Zeitreise vom Barock zur Musique concrète zu komprimieren. Convergence ist eine Tour de force für den Akkordeonisten Joseph Petric, der in Slapstickmanier durch Polkaund Folkfragmente taumelt, angepeitscht von einem Beat aus lauter ungeraden Bruchen, und der perfekte Abschluss einer CD, nach der die Ohren gehö rig glühen.

    Bruit-graffiti dans Bad Alchemy

    «Kritik», Stefan Hetzel, Bad Alchemy, no 37, 25 janvier 2001
    jeudi 25 janvier 2001 Presse

    Marc Tremblay aus Québec lässt mich, einmal mehr, einrnal wieder, am Konzept der musique concrète (ver-)zweifeln. Auf Bruit-graffiti (empreintes DIGITALes, IMED 9949) präsentiert der 40 jährige tape composer Kompositionen von derart naiver Selbstbezüglichkeh, dass kh zunächst meinen Ohren nicht trauen wolte. Nicht nur, dass das erste Stück Vroum. heißt, es beginnt auch noch mh Autohupen und einem Schnipsel aus Baby you can drive my car von den Beatles. Tremblay ebenso entwaffnendes wie enervierendes Konzept ist hiermit auch schon erschöpfend aufgedeckt: Stuck Nummer zwei Conte sous la lune handelt von der Kindheit und verarbeitet — na was wohl — Babyquaken, Teddyquieken und Xylophongeklimper, auf Cowboy Fiction. ist Pferdetrappeln, Dampflokschnaufen und Pistolengeknalle.zu hören. Welches Klangmaterial L’argent, toujours l’argent… (Das Geld) zugrunde liegt, verrate ich jetzt nicht mehr…Tremblay Herangehensweise als “kunstfern” zu bezeichnen, wäre vielleicht zu tief gegriffen, sprechen wir lieber von den (handwerklich übrigens makellosen) Hervorbringungen eines eher schlichten Gemütes, eines Menschen mit Sinn für Alltags- und Trivalkultur, der eben einfach keine Lust hat, symbolistische Lyrik oder abstrakte Philosopheme zu vertonen. Doch ist der Preis, den Tremblay für diese (Schein) “Einfachheit”. und “Zugänglichkeit” zahlt, hoch: er heißt Plattheit, Absehbarkeit’, Beliebigkeit.

    Moment dans Bad Alchemy

    «Kritik», Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, no 37, 25 janvier 2001
    jeudi 25 janvier 2001 Presse

    Der 34jàhrige aus Weimar stammende Komponist Hans Tutschku hat, glaubt man clen Angaben im Booklet, bereits alles erreicht, was man sich als Elektroakustiker in der Welt der akademischen Neuen Musik nur erträumen kann: Studium der Klangregie bei Karlheinz Stockhausen, mehrfache Studienaufenthalte am Pariser Ircam (dem Elysium elekfraakustischen Machbarkeitswahns), Workshops bei Klaus Huber und Brian Ferneyhough, Gestalter zahlreicher multimedialer Projekte in der Heimatstadt Weimar (auch Bildprojektion und Choreographie), Studienreisen nach Südostasien (selbstverstandlich finanziert vom (Goethe-lnstitut), Gründung des Festivals “Klang Projekte Weimar”, schlussendlich Dozentur am Ircam. unterbrochen nur von gelegentlichen Workshops, die der Meister in Budapest, Sao Paulo und Singapur abzuhahen pflegt. — Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Breite und Seibstverständlichkeit akademisch ausgebildete Künstler immer wieder jede Gelegenheit nutzen, uns selbst marginalste Begebenheiten ihrer stets bedeutenden, stets weitwehen, stets preisgekrönten, stets erdrückend erfolgreichen Laufbahn unter die Nase zu reiben. Genauso bemerkenswert finde ich allerdings, mit welcher Hartnäckigkeit auf der anderen Seite self made artists aus dem sogenannten Underground sich bis zur Unkenntlichkeit anonymisieren, unsichtbar machen, verstecken oder gar mit bewusst falschen Angaben auf CD-Hüllen aufwarten. Akademiker und Undergraundler haben offenber ein grundsätzlich anderes Selbst-, sprich gesellschaftsliches Rollenverständnis. Der Akademiker sieht sich als legitimen Sprößling der bürgerlichen Gesellschaftsmitte, deren Leistungsnormen (Hochschulstudium, Komposrtionswettbewerbe) er sich willig unterwirft. Als Gegenleislung erhält er dann Stipendien, Fordergelder, Reisespesen, Composer-in-Residence-Aufenthalte etc. Der Undergroundler ist dagegen Teil einer nur diffus abzugrenzenden, meist urban situierten Szene, deren antiburgerliches Credo “Dissidenz”, also inhattlich nicht zu präzisierendes (meinetwegen “situationistisches”) Abweichlertum, lautet, und die fur sich in Anspruch nimmt, dem “wahren Geist der Zeit” zu einzig adäquatem künstierischem Ausdruck zu verhelfen. Hybris? — Die auf Moment (empreintes DIGITALes IMED 9947) präsentierten Kompositionen Tutschku lassen sich in drei Gruppen einteilen: extrémités lointaines verarbeite-t field recordings o. a. Südostasien-Reise, … erinnerung…, Les invisibles und Sieben Stufen inspirieren sich an Iyrischen Texten von Tubia (?), Lubomirski (??) und Trakl (!), Die zerschlagene Stimme schließlich verarbeitet Klangmaterial der menschlichen Slimme und des Schlagzeugs mittels selbstgeschriebener Transtormationsprogramme. Tutschku schafft es meiner Meinung nach nicht immer, seine unbezweielbare Virtuosität im Umgang mit dem Tonstudio in anrührende Akusmatik, sprich: Kunst, zu verwandeln. Ständig wird der Horer Zeuge von Verwandlungen des Materials, alle Filter werden ausprobiert, alle Knöpfe gedreht, alle Register gezogen, doch das Ergebnis erregt bestenfalls ~ Respekt und Erstaunen. Tutschku liebt atie Plötzlichkeit rascher Umschwünge, den verblüffenden Einfall, die glänzende Idee. In seinen Werkkommentaren verwendet er Formulierungen wie “sehr dichte komposnorische Struktur”, “sehr dichte Klangschichten” oder auch “Stauchung”. Dem Hörer wird akusmatischer Sand in die Ohren gestreut, er soll uberwaltigt werden von Tutschku’scher Brillanz, als solle ihm das Hören vergehen. Doch erzeugt die blitzartige Abfolge für sich interessanter Einzelereignisse noch keinen musikalischen Zusammenhalt: trotz unterschiedlichslen Quellmaterials ähneln sich in meinen Ohren Tutschku Stücke allesamt ein wenig.

    L’oreille voit dans Incursion Music Review

    «Review», Richard di Santo, Incursion Music Review, no 019, 21 janvier 2001
    dimanche 21 janvier 2001 Presse

    Five compositions by the electroacoustics wizard Randall Smith, composed and recorded between 1988-1994. As with Sondes (also on empreintes DIGITALes), a follow-up collection of Smith’s works from 1995-1999, this record is teeming with activity and intensity. It’s title, L’oreille voit, translates as “the ear sees,” and as such these compositions can largely be seen as attempts to visualise sound — to create sound sculptures which present themselves visibly to the senses. True enough, Smith’s palette contains many tangible sounds (or “sound objects” as he calls them) that are quite concrete and seem to manifest themselves physically. The first composition, La volière (the aviary), investigates the theme of flight and the gestures of birds. As Smith explains in the liner notes, “their movements of flight are retraced according to the dictates of a machine universe, which aligns them into orders of understanding, geometries of the visible.” This composition, and the rest that follow it, are remarkable for their wealth of detail. A stunning world of sound and visibility where our senses are sharpened and our experiences of microscopic and “minor” events are intensified. Academic compositions are matched by more reactionary ones: Ruptures, realised in 1991, documents Smith’s angst regarding “worldwide unrest and instability” given a sudden influx of rapid social and political change in the world (i.e., the end of the cold war, etc.). The disc concludes with The Face of the Waters, which is also its earliest composition. Realised in 1988, it takes a close look at the sounds of water in a whole range of situations (a babbling brook, crashing waves, etc.). Arranged in four movements which build gradually in intensity, this piece is remarkable for how it transforms and amplifies these sounds, arranged on an unconventional and multifarious canvas. Randall Smith’s work is an electroacoustic wonder.

    Smith’s work is an electroacoustic wonder.

    Sondes dans Octopus

    «Critique», SH, Octopus, no 13, 18 janvier 2001
    jeudi 18 janvier 2001 Presse

    Tout est vibration, ondulation, scintillement, télescopage, balancement dans les pièces pour bandes de Randall Smith, né à [Windsor, Ontario] en 1960. C’est aussi minéral, liquide, incandescent. Essentiellement de la musique électroacoustique. Il utilise avec une belle intelligence les possibilités du violon et du violoncelle S’il était une métaphore de cette musique apparemment abstraite, c’est au mouvement d’une corde que l’on pourrait songer immédiatement: une corde frottée, pincée, tirée, fouettée. Sondes regroupe les compositions des quatre dernières années. L’ensemble forme un collage chatoyant, délicat et finement édifié. L’effet est entrainant, dansant parfois, gracieux certainement. Ce n’est pas pour autant joyeux. La fête se mêle à la douleur; le rire à la tristesse. La musique y est également organique, sanguine. Randall Smith semble désigner de son doigt un point du ciel ou de la terre, un endroit qu’on ne peut distinguer parce que l’on n’utilise pas tout de suite la bonne focale. La précision se fait petit à petit, le ciel se dégage lentement, le brouillard se lève sans précipitation. Le compositeur ne recule pas devant la manipulation technologique tout en laissant une large part à la naturalité du son émis. Contrepoint, rythme et harmonie demeurent les règles de base de la composition musicale selon Smith. Le matériau y est texturé, le son percutant et contrapuntique. Les images sont celle de films populaires ou expérimentaux, de Jaws à Freaks, d’Apocalypse Now à Fourmiz… Ces pièces fonctionnent comme des lieux géographiques d’un monde imaginaire, comme les lettres de l’Alphabet dans les aventures de Philémon, dessinées par Fred. Quelque chose ne tourne décidément pas rond dans la tête de Randall Smith, cela doit étre sa musique.

    … un collage chatoyant, délicat et finement édifié.

    Figures dans Henry Schneider

    «Review», Henry Schneider, Henry Schneider, 15 janvier 2001
    lundi 15 janvier 2001 Presse

    Clocking in at exactly 60 minutes Figures is Robert Normandeau’s latest release of acousmatic music. The opening piece is Le renard et la rose (The Fox and the Rose). This is a concert suite composed from two sound sources: music commissioned for The Little Prince and the voices of the actors involved in the recording of the story. It is light and bubbly with laughter layered and processed through a chain of effects. The second piece is Figures de rhétorique which combines tape and piano. It has a cosmic feel at times similar to early Pink Floyd and Stockhausen. The third composition is Venture, named after the 60s group The Ventures. But it is more than that. Venture refers to all the progressive rock music of 60s and 70s. Normandeau states that Venture is composed exclusively of fragments of that music. Unmistakably, there are bits and pieces of The BeatlesRevolution 9 and Pink Floyd’s Grand Visier’s Party. I am uncertain of the other sources, but the resulting Venture is worth the price of this CD alone. Figures closes with Ellipse, a tape piece commissioned by Arturo Parra for him to accompany Normandeau on guitar. It sounds like heavily processed acoustic guitar scrapings, tappings, and noodlings. Or is it a swarm of angry alien bees? Figures is the high point for me of the recent empreintes DIGITALes releases.

    Venture is worth the price of this CD alone… the high point of the recent empreintes DIGITALes releases.
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