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  • Morphogenèse dans A Closer Listen

    «Review», Richard Allen, A Closer Listen, 1 mars 2015
    dimanche 1 mars 2015 Presse

    Most albums are instantly accessible, their underlying concepts easily penetrable by the common public. Not so Morphogenèse, an album that travels from deep sea to deep space, searching for boundaries yet finding only greater expanses.

    The track descriptions can be intimidating, so we’ll quote only one in this review. Erik Nyström‘s first sentence reads, “The title alludes to phases where sound is undergoing a process of molecular milling, fragmenting into its most primitive constituents, not unlike the ‘catabolic processes’ Rudolf Arnheim described in his essay Entropy and Art.” The artist is clearly not appealing to the average reader. For such (including myself), we’ll need a different tactic.

    The title of the album can be broken into root words morphê (shape) and genesis (beginning), which makes morphogenèse “the beginning of the shape.” Nyström’s work is inspired by matter, space and sound as they evolve and/or decay. More importantly, his interests lie in the “novel organization of sound.” On this album, he executes his vision in a series of elaborate, extended movements.

    The album is approachable not only despite its complexity, but because of it. These five pieces — none briefer than 12 minutes — may lack hooks, but they yield a clear sense of direction. Nature vacillates between the random and the ordered, and these compositions follow suit; while each changes shape as it develops, each has a chartable shape, from parabola to ascending line, suggesting later patterns like unfinished frames of code.

    Nyström’s electronic bubbles and teeming drones imitate familiar sources: boiling water, steam hisses, lapping waves, buzz saws, wind. Some churn like magma; others erupt like hot spring geysers. An occasional bell strike offers a solid foothold on an occluded path; on Lucent Voids, brooks and birds contribute a sense of (adapted) reality. The repeated chords of Cataract yield the most recognizable form, yet even these change along the way. The components remain in motion, adopting new paths, imitating the black tributaries of the cover image.

    These thickets of sound reflect unmapped territories, exuding promise and danger. It may have been difficult for Nyström to commit them to disc: a fixed form for the unfixed. In his mind, these works continue to mutate, like black holes expanding and imploding.

    … these works continue to mutate, like black holes expanding and imploding.

    Morphogenèse, Fenêtres intérieures dans Amusio

    «Roxanne Turcotte & Erik Nyström — Einengung und Entgrenzung», Stephan Wolf, Amusio, 18 février 2015
    mercredi 18 février 2015 Presse

    Wie der bereits vorgestellte Robert Normandeau stammt Roxanne Turcotte aus Montreal — und veröffentlicht nach Amore, Libellune und Désordres ein viertes Album auf empreintes DIGITALes. Fenêtres intérieures kehrt anhand scheinbar lose texturierter Arrangements die Außensicht nach innen — und wieder zurück in die Erscheinungswelt scheinbar unbegrenzter Wahrnehmung. Der schwedische Klangforscher Erik Nyström verfolgt auf Morphogenèse einen umgekehrten Ansatz. Indem er unsichtbare Größen und Größenverhältnisse räumlich erlebbar macht, legt er die Amplituden fest (oder zumindest spürbar nahe) und fixiert somit den Nachvollzug.

    Betont unverbindlich beginnt die Komponistin und Sound Designerin Roxanne Turcotte ihre Überlegungen zum Sinnbild der Fenêtres intérieures. De la fenêtre skizziert, vermutet und verwirft mit arbiträr flirrenden Andeutungen von Ortung und Ordnung ein sich sukzessiv der Sinnfälligkeit preisgebendes Vexierspiel, das „anfällig für extreme Sorglosigkeit und Leichtsinn“ (Roxanne Turcotte) bleibt. Das sich anschließende Bestiaire führt mit Vogelgezwitscher oder Regenwaldwald-Atmo eine Orientierung ins Feld, die spätestens bei Petit Ange den Klangraum für einen psychoakustisch wirksamen Dialog zwischen den nun identifizierbaren Protagonisten und dem Rezipienten eröffnet: „Je suis un personnage de cinéma“.

    Endlich ist das Feld für einen narrativen Aufhänger bestellt, doch wird dabei vornehmlich und ähnlich subtil wie in den Filmen von Alain Resnais das Verhältnis von Ereignis und Kommentar, von Diegese und Parallelität verhandelt. Das Objet Volant Indentifié versinnbildlicht die trügerische Identifikation von Sound & Vision: Längst hat die Innensicht den äußeren Rahmen (Fenster) überfüllt, doch die von nun an markanter ausgerichtete Grundierung (Gitarren!) bietet der Wahrnehmung weiterhin immer wieder neue Bezugspunkte an.

    Es mag von einem analytischen Standpunkt aus unerheblich sein, wie Musiksubjektiv erfahren und verstanden wird. Vielleicht sollte stärker als üblich vernachlässigt werden, was die Musik mit dem Hörer macht, sobald sie von ihm als Musik anerkannt wird. Wat den einen sin Uhl is, is den annern sin Nachtigall. Diese letztlich in die Irrelevanz führende Empfindungspluralität zu bändigen, kann als ein Versuchsfeld des in London tätigen Erik Nyström ausgewiesen werden, zumal er sich auf die Auseinandersetzung mit Texturen konzentriert, die ausgehend vom räumlichen Wahrnehmungsvermögen als allgemeingültig zu verifizieren sind.

    Auf Morphogenèse unternimmt Erik Nyström den (anmaßend-mutigen) Versuch, elastische Topologien von sowohl figurativer als auch amorpher Natur (?) auf physikalische Erregungszustände anzusetzen, die zu einem „warp in a world of eternal genesis“ führen sollen, also zu einer vergleichsweise prosaischen Idealvorstellung eines gezielt ausgelösten Effekts.

    Doch wie hört sich das nun an? Reduziert man die etwas zu kryptische Anhäufung von verbalen Theoremen, die der Komponist seinem Werk mit auf dem Weg gibt, auf die Belastbarkeit eines autonom Hörenden, so bietet Morphogenèse eine sensorische Erfahrung von Skalen, Graphen und ähnlichen Visualisierungen von Volumen, Dichte oder Dezibel, also von Werten, die letztlich aiuch nur einen Behelf zur Quantifizierung, eben, darstellen.

    Das Schwellen und Schwären des Sounds, das Aufwallen und Abflauen seiner Gezeiten an akustischen Gestaden — es erweist sich als Hinweis auf eine räumliche Ausdehnung in potenzieller Unendlichkeit. Mit dem absoluten Nullpunkt (Stille) als einzigen Ausgangs- oder Anhaltspunkt. Das isolationistische Vergnügen an Morphogenèse ist in etwa so reizvoll, wie exklusives Wissen um Parallelwelten, vorausgesetzt, man darf es für sich behalten. Oder auch weitergeben, wie die Empfehlung dieses Albums.

    Dômes dans Amusio

    «Destillate der Diversität», Stephan Wolf, Amusio, 16 février 2015
    lundi 16 février 2015 Presse

    Um das weite Feld der Elektroakustik wird gerne ein ebensolcher Bogen gemacht. Als viel zu akademisch, anspruchsvoll und anstrengend gilt auch diese Sparte der Neuen Musik — und viel zu selten wird sie für Außenstehende nachvollziehbar gemacht. Obwohl sich das in Québec ansässige Label empreintes DIGITALes zwangsläufig ans Fachpublikum richtet, rechtfertigen seine hochwertigen Veröffentlichungen die vermeintliche Mühe, sie einmal unvoreingenommen als Musik wahrzunehmen, die durchaus auch unterhalten kann und will. Einige herausragende Beispiele aus dem aktuellen Katalog mögen die „Anhörbarkeit“ von elektroakustischer Forschung und des sich davon ableitenden Ausdruck zu untermauern. Fortsetzung folgt.

    Mit Dômes legt der in Montreal lebende und lehrende Komponist Robert Normandeau eine Auswahl von Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen vor, die trotz ihrer voneinander abweichenden Kontexten ein homogenes Hörerlebnis offerieren. Zweckentfremdet editierte Theatermusik (Pluies noires von 2008 und Hamlet-Machine without Actors von 2014) trifft auf akustische Installationskunst (La part des anges, 2011 und Kuppel, 2005) und eine onomatopoetische Suite (Baobabs, 2012).

    Jenem Anteil, der bei sich bei der Destillation von Alkoholika verflüchtigt und somit den Engeln überantwortet wird (La part des anges), widmet sich Robert Normandeau auf Basis altmusikalischer Vokal-Capella-Traditionen und erschafft so eine sinnliche Erfahrung aus intensiver Verflüchtigung und sakraler Kontemplation. Gleichfalls im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) zu Karlsruhe entstanden und uraufgeführt wurde die sich auf der CD anschließende Klangverdichtung Kuppel, in der unter anderem das Fahrgeräusch der Karlsruher Straßenbahn sowie die Glocken der Stadtkirche am Marktplatz die Funktion tragender Ebenen übernehmen.

    Doch nicht nur bei den Einwohnern der Fächerstadt dürfte sich hier ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit einstellen. Ein Gefühl, das sogar als eine Einladung zur Auseinandersetzung mit den genannten — mehr oder weniger vagen — Begrifflichkeiten verstanden werden kann, so die Klangquellen der Alltäglichkeit im Hinblick auf ihre immanenten Meta-Ebenen transzendiert werden.

    Bei Pluies noires handelt es sich um eine portugiesische Theaterinszenierung des Stückes Blasted (dt. Zerbombt) von Sarah Kane, dass die Kriegsnachwehen der menschlichen Seele auf explizite Art nachvollziehbar zu machen versucht. Die als Intermezzi eingesetzte Musik soll laut Regisseurin Brigitte Haentjens den Klang des Regens zu unterschiedlichen Jahreszeiten interpretieren, doch machen Robert Normandeaus finster anmutende Flächensounds nicht zuletzt deutlich, dass Verrohung auf Jahreszeiten keine Rücksicht nimmt.

    Ähnlich schwer, aber keineswegs schwerfällig oder übergewichtig, erscheint Hamlet-Machine without Actors, was jedoch angesichts des Stoffes aus der Feder Heiner Müllerskaum überraschen dürfte. Zunächst auch für eine Haentjens-Inszenierung komponiert, liegt nun eine komplett überarbeitete Version vor, der es in neun Minuten gelingt, die Essenz des berühmten Monologs zu transponieren. In einem anderen musikalischen Bezugsrahmen würden beide Theaterkompositionen als herausragende Stücke des Dark Ambient verstanden werden.

    Wie um der vorherigen Schwere entgegen zu wirken, beschließen Baobabs, in fünf Sätzen abwechslungsreich und pointiert kompilierte Lautmalereien eines Vokalensembles, das Album auf geradezu ansteckend heitere Weise. So entlässt Dômes seine Hörer mit einem stilistischen Ausreißer, der die enorme Bandbreite Normandeaus mehr als andeutet. Unter diesem Gesichtspunkt erweist sich diese Zusammenstellung als ein kluger Zug im Sinne einer breiteren Wahrnehmung dieses Komponisten, für den sich die Auseinandersetzung mit Elektroakustik hier als Mittel zum Zweck auszahlt.

    Unter diesem Gesichtspunkt erweist sich diese Zusammenstellung als ein kluger Zug im Sinne einer breiteren Wahrnehmung dieses Komponisten, für den sich die Auseinandersetzung mit Elektroakustik hier als Mittel zum Zweck auszahlt.

    Fenêtres intérieures dans KindaMuzik

    «Kritiek», Sven Schlijper, KindaMuzik, 12 février 2015
    jeudi 12 février 2015 Presse

    Vanuit Montréal, Canada vertelt Roxanne Turcotte haar verhalen. Beter: laat ze deze voordragen. Deze componiste regisseert niet alleen haar stemacteurs, ze houdt in een mêlee aan instrumentale fragmenten en knipsels van veldopnamen haar musique concrète op een duidelijk anekdotische koers.

    Turcotte’s verhalenbundel kent acht hoofdstukken. Ze gaat steevast uit van uit het leven gegrepen situaties; het alledaagse wordt onderwerp van een akoesmatisch experiment richting een vorm van alchemie in muziek en tekst. Daarin speelt uitvergroting van het minuscule niet zelden de hoofdrol.

    Alsof Turcotte een raam openzet en de geluiden haar komen aanwaaien; zo schijnbaar achteloos komen de zeer complexe en heel tactiele composities voor de dag. Want juist door het triviale dat je vaak over het hoofd ‘hoort’ te componeren en daarmee tegelijk te abstraheren en te concretiseren, ontdoet deze elektro-akoestische muziek zich van elke notie van cliché en zelfs ambientgevoel.

    Het is een zekere mate van fijngevoeligheid, romantiek zelfs, die de acht werken zo dichtbij brengt dat ze op slag geïnternaliseerd zijn. Niet worden, maar zijn. Turcotte lijkt wel te vragen: “Waarom heb je dit niet eerder gehoord? Waarom is het je niet opgevallen?” En daarmee ook: “Luister je eigenlijk wel?” Alsof ze zegt: “Wat klinkt de wereld mooi. Toch?!

    Cinematisch verhalend is Fenêtres intérieures geen academische zware kost of muziek waarvoor je eerst een boekenplank aan secundaire literatuur tot je genomen moet hebben alvorens er enige sjoege van te kunnen beginnen maken. Het is de koppeling van fragiel componeren op het scherpst van de minimalistische snede en directe herkenbaarheid die Turcotte’s werken een toegankelijkheid bieden die uitnodigt tot een nieuw luisteren. Ook als haar stukken niet te horen zijn.

    L’envol dans Freq

    «Music to write science fiction to», Arwen Xaverine, Freq, 9 février 2015
    lundi 9 février 2015 Presse

    L’envol is the first solo album release from American-born, Brussels-based composer Elizabeth Anderson. She is a prolific artist and teacher, and when I hear the opening of L’envol, I feel somewhat like I am at the beginning of a lecture on electronic music.

    The sounds are perhaps what you might have expected from the title of the record, (L’envol is French for The Flight), but only if you have spent a lot of time watching science fiction films from the Nineteen Sixties. I know these soundscapes because they furnish my dreams. It is a vernacular that as a reader and writer of science fiction — stories of space and space travel — I know very well. This is not a bad thing, although it does afford me a level of commitment to the narrative of these haunting pieces that I realise that those unfamiliar with the genre and its common narrative might find inaccessible. I would hope that, like me, listeners will be engaged by the ideas presented and then be prepared to take the chance and listen with open minds as well as open ears.

    This work deals with themes that are well-known, not tropes exactly; archetypes perhaps, and reflected in the titles of the different pieces — Les forges de l’invisible (“The Invisible Forges”), Solar Winds, Ether, Protopia/Tersseract — evocative of the kinds of titles to stories that take us into uncharted space in the deepest parts of the universe. I was drawn to this music because of this so it is unsurprising, and possibly quite affirming, to discover that it does exactly what it says on the tin.

    What, inevitably, I find myself coming to believe is that Elizabeth Anderson also has this shared vernacular of the genre, that she is communicating the same ideas and thematic narratives of science fiction writing, the ideas and themes that draw me in to the writing and films of the genre. Because the thing that is most important to say is that, whilst there is nothing here that an aficionado of science fiction won’t recognise, there is nothing of the parody in this work. It is in itself a genuine work of science fiction, just as you might find in the writings of Ursula Le Guin or Isaac Asimov. It deals in the same big themes of vastness and loneliness, of unknown landscapes. It introduces your brain to concepts of scale that are impossible to experience on our small planet, and to concepts, therefore, of our own humbling insignificance.

    I find myself wanting to accompany this piece with an infographic depicting our size relative to the universe (actually, for anyone who found the soundtrack of the film Gravity as irritating as I did, this would make a very good reboot). I did not want to write about this work track by track; the thematic structure of the work is the point and the component parts are narrative in their flow from one place to the next, much as any collection of movements in a symphony for traditional instruments. That this work is made using sampled sounds and synthesised recordings does not take away from its symphonic structure or its ability to engage the listener’s attention. If you are looking for recurrent themes, it is not in motifs of repeated sounds that these appear, but in the return always into the silence between the sounds, which then in turn bring you back to the huge emptiness of space, slightly altered by the journey.

    I feel as though, even if I listen to this every day (and I have been), I will hear something more in there each time and be intrigued. If there is a concern about the hook of this collection, it is that unless the listener has a vested interest in the narratives of space and space travel, they might not bother, just as with genre fiction in more traditional media. I suppose this is the chance one takes making art that is about things that are as yet unknown or potentially unknowable. I like L’envol for its stark galaxyscapes and the enormous quantities of emptiness it affords my ambulations into the realms of those places, although I suspect it is, like deep science fiction writing, not for everyone.

    I like L’envol for its stark galaxyscapes and the enormous quantities of emptiness it affords my ambulations into the realms of those places…
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