Peng!! Der da austeilt und mir die Arbeit abnimmt, ist Dominique Bassal (*1955, Kairo). Dabei ist das ästhetische Elend noch das geringere, angesichts der Tatsache, dass wir uns von einer Handvoll halluzinierter — und/oder kontrollierter — Propheten davon überzeugen ließen, die andere Wange hinzuhalten, und — wenig überraschend — hat die psychopathische Minderheit die Gelegenheit ergriffen, die Kontrolle über die Welt zu übernehmen. Beispielhaft zeigt er das mit Écraser l’autre, einem mit „pour le plaisir et pour le profit“ untertitelten Zyklus (2018-21). Mit dem Massaker an den Hugenotten in der Bartholomäusnacht 1572 (Saint-Barthélémy, le party), wobei Bassal den Protestanten auch ihrerseits blutige Verheerungen in der Welt ankreidet. Und das elegisch orchestriert mit perkussiv angerührten, betrübten Streicher — und Bläserklängen und emotionalisiert in der Manier von Jóhann Jóhannsson. Mit Harfe, Streichermoll, Keys, dräuendem Paukenschlag und Klapperbeat beklagt er die Blutorgien vom Ku Klux Klan bis Ruanda (Pogroms énergisants). Bei Bon matin, Adolf wird er so kryptisch, dass ich ihn nur zitieren kann: Here’s a fine demonstration of elected psychopaths’ complete incompetence, their power too, and the passive stupidity of the majority: to arm highly unstable Nazis in the hope of using them to strike down communism, see them fail, then slaughter them in a single, long, uninterrupted nightmare. And then we drew inspiration from this stellar failure to do the exact same thing with other crazy people, in various places, especially in countries we didn’t like. Wenn die ’gewählten Psychopathen’ die Nazis sind, ist es das Großkapital, das sie bewaffnet und dann, von ihnen enttäuscht, von Roosevelt und Churchill abschlachten lässt? Bassal mischt dabei düstere Martialik mit tänzelndem Duktus, schweres Blech mit fragilen Klängen. Bei Deir Yassin mon amour verkürzt er den Bürgerkrieg 1948 in Palästina auf die Formel: Shortly after the defeat of their European persecutors, these victims began to slaughter a people that had absolutely nothing to do with their past tribulations. Und erinnert mit tremolierender Oud, Trauermarsch, paradiesischem Gesang, zartem Glockenspiel und Orgelklang an ein Massengrab (eins von vielen auf beiden Seiten). Danach kann er mit Sénateur Joe Pet-pet die McCarthy-Kampagne als burleske Petitesse abtun, mit schneller Rhythmik, knarrigem Brasssound, wieder Orgel. Wen er als L’informaticien à la seringue des feigen und verschleierten Divide et impera beschuldigt, das den Begründern der Great Criminal Civilization so gut taugt, da müsste ich raten. Das tolle Cover zeigt dazu nur eine KI-generierte Königin als barocken Avatar. Der schnelle Beat zu dunklen Hörnern dominiert weiterhin, zusammen mit der Möglichkeit, Bassal als Pharisäer und Angeber zu betrachten, der auch nur mit Wasser kocht, oder zu schätzen als Stolpersteinleger und Befruchter mit Besserem als fadem Krach.