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  • IV in The Sound Projector

    “Some People Choose the City”, Ed Pinsent, The Sound Projector, December 7, 2024
    Saturday, December 7, 2024 Press

    Christian Bouchard from Quebec is one who’s clearly very engaged with the world, its environment, its events, its inhabitants; on Broken Ground (noted in 2017) he applied himself to the concrete of modern urban architecture, and here on IV (EMPREINTES DIGITales IMED 23185) he does it with his observations on the language of the birds on Birdscape, also providing a compelling image of Montréal on Portrait Montréal where through traversing the FM radio dial he manages to capture the hidden face of that city, exposing its true mental state with a stark honesty. In fact he gets to much the same place on Montréal-Mafia, where the original source recordings were provided by fellow sound-artists in that part of the world, who gave him 15 minutes of tape apiece to play with. In return, they received one cup of coffee.

    Christian Bouchard may reassure us by naming all the locations in this queasy melange of speaking voices, alien tones and street-events, but there’s still a lurking darkness and mystery, which I hadn’t expected from this most benign and welcoming of Canadian cities. A strong set of recent works from this student of Yves Daoust.

    IV
    A strong set of recent works…

    Interruptions in Bad Alchemy

    “Kritiek”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, December 1, 2024
    Sunday, December 1, 2024 Press

    Manuella Blackburn, halb so alt wie Elsa Justel und aus London, nennt mit Interruptions das Merkmal, das gleich mal Home Truths bestimmt: Unterbrechungen bis hin zur Zerrüttung des Tagesablaufs. Dass sich stressige Diskontinuität ebenso ästhetisch nutzen lässt wie Plastikmüll, aus dem Microplastics knistrig und mikrorhythmisch verklanglicht ist, wen soll das beruhigen oder trösten? Die Atomisierung des Lebens und die verheerende Vermüllung der Welt gehen weiter. Was tun? Kunst ist keine Müllabfuhr, Klangrecycling beseitigt keine Abfälle. Also nostalgisch Seufzen, mit Farewell Fairlight als Hommage an die Fairlight CMI Series II, die Popmusik der 80er und eine Sound Library aus Klangkürzeln? Wie unterscheidet sich Sensibilisieren von Gewöhnen und Abstumpfen? Knarziges Öffnen und Schließen (von Schubladen, Türen) spielen auch bei Cupboard Love eine Hauptrolle als interruptives Gestaltungsmittel. Vergangenheit und Erinnerungen — inklusive der an Pierre Henry s Variationen für eine Tür und einen Seufzer — unterbrechen die Gegenwart. Mit Landline wiederentdeckt Blackburn ihr Festnetztelephon als Marker nostalgischer Erinnerungen, die sie mit klangarchäologischem Pinsel freilegt. Aus dem Klingklang der Dial Tones, den sie in pulsende Wellen eingebettet, kreiert sie ein Es-war-einmal ohne Worte, das mit der Frage einhergehen könnte, warum so wenig bleibt wie es ist.

    Art is not garbage collection, sound recycling does not remove waste.

    L’ombre du pont in Bad Alchemy

    “Kritiek”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, December 1, 2024
    Sunday, December 1, 2024 Press

    Der 80. Geburtstag von Elsa Justel, der argentinischen Veteranin neuer Klangtechniken und Klangformen, wird markiert mit L’ombre du pont. Die Party gestaltet sie mit ihren Hommagen an Roger Cochini, Luc Ferrari, Beatriz Ferreyra, refigurativ an Annette Vande Gorne, mit P-corde an Bernard Parmegiani s Violostries, mit L’expérience caustique an François Bayle s L’expérience acoustique und mit C’est lui an Francis Dhomont s Sous le regard d’un soleil noir. Elektroakustische Olympier und ihre Hinkelsteine. Diálogo con Ana ist ein Zwiegespräch mit der Pianistin Ana Foutel, Pieza en forma de té klingt, als wäre Tee ein Ersatzbegriff, u. a. für etwas, das man zu Didgeridoo schnüffelt. All das in der Spannung virtueller, abstrakter, imaginärer Welten mit so manchem Déjà vu, mit Anekdoten und alten Klischees — Kaskaden von hoppelnden Pingpongbällen, eiernden Münzen, Paukenschlägen, Cut-up von Stimmen, Kriegslärm aus dem Kino, Musik aus Konzert, Oper, Film, Stripsodies aus Klangsplittern und Noise-bröseln. Was ist da — mit böser Bassal-Zunge gelästert — Selbstgefälligkeit in Form von lauwarmen Scherzen, was abgedroschene Inzucht? Was kindsköpfische — aber eigentlich doch beneidenswerte — Verspieltheit bis ins hohe Alter? Justels Faible für Wortspielerei und sarkastischen Humor macht jedenfalls nicht vor der Klangebene Halt.

    In any case, Justel’s penchant for wordplay and sarcastic humor does not stop at the sound level.

    Promenades in Bad Alchemy

    “Kritiek”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, December 1, 2024
    Sunday, December 1, 2024 Press

    Ich wette, dass Gilles Gobeil, mit Jg. 1954 einer der Träger der Québecer Musique électroacoustique, über die Anwürfe von Dominique Bassal nur mit den Schultern zuckt. Sein suggestiv zwischen Dramatik und Mysterium changierendes ’Cinéma pour l’oreille’ kann ja nicht gemeint sein, oder? Mit seinen Promenades nimmt er einen mit (1) auf die Zeitreisen von Chris Markers Kultfilm „Am Rande des Rollfelds“ (Un cercle hors de l’arbre), (2) mit panisch bebendem Altosax in die dräuenden, schwellenden, mystischen Tiefen von Kubrick s „2001: A Space Odyssey“ (Sentinelle), (3) mit Folkmar Hein, dem Initiator des Festivals Inventionen für Elektroakustische Musik in Berlin, auf leisen Sohlen durch ein idyllisches Brobdingnag fernab des Menschenbetriebs (Sous l’écorce des pierres — promenade), (4) bei Associations libres in Gedanken an René Lussier mit dem E-Gitarristen Patrice Soletti durch kakophon rockende Kampfzonen, (5) mit Violine, Cello und nochmal Soletti im Trio Déviation(s) bei einem kammermusikalischen Schiffbruch ins unkartographiert Dissonante (Détour), (6) anlässlich von Debussys 100. Todestag mit Piano auf einen Abendspaziergang Dans l’air du soir, als wär’s eine Träumerei von ihm. Und erinnert zuletzt (7) bei La vie se repose an den Schweizer Eisenplastiker Oscar Wiggli (1927-2016) mit Samples von dessen elektroakustischer Musik.

    His ’Cinéma pour l’oreille’, which oscillates suggestively between drama and mystery…

    Écraser l’autre in Bad Alchemy

    “Kritiek”, Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, December 1, 2024
    Sunday, December 1, 2024 Press

    Peng!! Der da austeilt und mir die Arbeit abnimmt, ist Dominique Bassal (*1955, Kairo). Dabei ist das ästhetische Elend noch das geringere, angesichts der Tatsache, dass wir uns von einer Handvoll halluzinierter — und/oder kontrollierter — Propheten davon überzeugen ließen, die andere Wange hinzuhalten, und — wenig überraschend — hat die psychopathische Minderheit die Gelegenheit ergriffen, die Kontrolle über die Welt zu übernehmen. Beispielhaft zeigt er das mit Écraser l’autre, einem mit „pour le plaisir et pour le profit“ untertitelten Zyklus (2018-21). Mit dem Massaker an den Hugenotten in der Bartholomäusnacht 1572 (Saint-Barthélémy, le party), wobei Bassal den Protestanten auch ihrerseits blutige Verheerungen in der Welt ankreidet. Und das elegisch orchestriert mit perkussiv angerührten, betrübten Streicher — und Bläserklängen und emotionalisiert in der Manier von Jóhann Jóhannsson. Mit Harfe, Streichermoll, Keys, dräuendem Paukenschlag und Klapperbeat beklagt er die Blutorgien vom Ku Klux Klan bis Ruanda (Pogroms énergisants). Bei Bon matin, Adolf wird er so kryptisch, dass ich ihn nur zitieren kann: Here’s a fine demonstration of elected psychopaths’ complete incompetence, their power too, and the passive stupidity of the majority: to arm highly unstable Nazis in the hope of using them to strike down communism, see them fail, then slaughter them in a single, long, uninterrupted nightmare. And then we drew inspiration from this stellar failure to do the exact same thing with other crazy people, in various places, especially in countries we didn’t like. Wenn die ’gewählten Psychopathen’ die Nazis sind, ist es das Großkapital, das sie bewaffnet und dann, von ihnen enttäuscht, von Roosevelt und Churchill abschlachten lässt? Bassal mischt dabei düstere Martialik mit tänzelndem Duktus, schweres Blech mit fragilen Klängen. Bei Deir Yassin mon amour verkürzt er den Bürgerkrieg 1948 in Palästina auf die Formel: Shortly after the defeat of their European persecutors, these victims began to slaughter a people that had absolutely nothing to do with their past tribulations. Und erinnert mit tremolierender Oud, Trauermarsch, paradiesischem Gesang, zartem Glockenspiel und Orgelklang an ein Massengrab (eins von vielen auf beiden Seiten). Danach kann er mit Sénateur Joe Pet-pet die McCarthy-Kampagne als burleske Petitesse abtun, mit schneller Rhythmik, knarrigem Brasssound, wieder Orgel. Wen er als L’informaticien à la seringue des feigen und verschleierten Divide et impera beschuldigt, das den Begründern der Great Criminal Civilization so gut taugt, da müsste ich raten. Das tolle Cover zeigt dazu nur eine KI-generierte Königin als barocken Avatar. Der schnelle Beat zu dunklen Hörnern dominiert weiterhin, zusammen mit der Möglichkeit, Bassal als Pharisäer und Angeber zu betrachten, der auch nur mit Wasser kocht, oder zu schätzen als Stolpersteinleger und Befruchter mit Besserem als fadem Krach.

    […] the psychopathic minority has seized the opportunity to take control of the world. He exemplifies this with Écraser l’autre
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